Autounfall - was tun?

Wenn der Unfallgegner schuld ist

Sind Sie in einen Unfall verwickelt, an dem Sie keine Schuld haben, erhalten Sie Schadenersatz von der Kfz-Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers. Sie erhalten Ihr Geld aber nur, wenn Sie sich selbst darum kümmern.
Liefern Sie Beweise Nimmt die Polizei den Unfall auf, erstellt Sie häufig nur ein Kurzprotokoll. Um die Ansprüche gegenüber der gegnerischen Haftpflichtversicherung durchzusetzen, müssen Sie deshalb eine möglichst genaue Unfallaufnahme machen. Wie das geht, steht in unserer 7-Punkte-Liste für das richtige Verhalten am Unfallort.

Erstellen Sie einen Unfallbericht

Die gegnerische Versicherung verlangt von Ihnen eine Unfallschilderung. Zu dem Bericht gehört auch eine Zeichnung der Unfallstelle.

Guter Rat Am besten nutzen Sie für Ihren Unfallbericht den »Europäischen Unfallbericht«. Das Formular sollten Sie immer im Handschuhfach mit sich führen. Sie erhalten die Vordrucke von Ihrer Versicherung oder von den Automobilclubs.

Ermitteln Sie die Schadenshöhe

Als Geschädigter haben Sie Anspruch auf Schadenersatz. Sie müssen durch den Schädiger so gestellt werden, als hätte der Unfall gar nicht stattgefunden. So bestimmt es der § 249 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB). Der Ausgleich erfolgt mit Geld.

Die Haftplichtversicherung des Schädigers zahlt aber nur das, was Sie als Schaden nachweisen können. Machen Sie deshalb gleich nach dem Unfall eine Bestandsaufnahme der entstandenen Schäden. Was Sie alles in Rechnung stellen können, zeigt die Liste »Schadenersatzansprüche«.

Guter Rat Machen Sie Ihre Schadenersatzansprüche so bald wie möglich geltend. Haben Sie nicht gleich für alle Schäden Beweise, können Sie die später nachreichen.

Beachten Sie bitte Schadenersatzansprüche verjähren nach 3 Jahren.

Setzen Sie Ihre Ansprüche durchSie können Ihre Schadenersatzforderungen selbst an die gegnerische Versicherung schicken oder Ihre Interessenvertretung einem Rechtsanwalt übertragen.

Hinweis Hier finden Sie einen Musterbrief, nach dem Sie Ihr Schreiben an die Versicherung des Unfallgegners aufsetzen können.

Die Einschaltung eines Anwaltes ist vor allem ratsam, wenn Personen verletzt sind oder Art und Höhe des Schadens nicht feststehen. Bei unverschuldeten Unfällen sind die Anwaltskosten Teil des Schadens, den die gegnerische Versicherung zahlen muß.

Beachten Sie bitte Bevor die Versicherung des Schädigers zahlt, will sie von ihm eine Unfallmeldung haben. Meldet er den Unfall nicht, müssen Sie aber nicht gleich klagen. Lassen Ihre Beweise oder das Polizeiprotokoll eindeutig die Schuld des anderen erkennen, zahlen die Versicherungen auch so.

Treiben Sie die Zahlung ein

Die Versicherung muß innerhalb von 14 Tagen nach Feststellung des Schadens zahlen. Steht der Schaden nicht innerhalb eines Monats fest, zum Beispiel bei Verletzungen, haben Sie Anspruch auf angemessene Vorschüsse (§ 15 Allgemeine Bedingungen für die Kraftfahrtversicherung - AKB).

Am schnellsten geht der Schadenersatz, wenn nur das Auto beschädigt und noch fahrtauglich ist und die Versicherung vor Ort einen Schnellregulierungsdienst hat. In diesem Fall können Sie dort einfach mit Ihrem Wagen vorfahren und den Schaden schätzen lassen.

Guter Rat Wenn Sie das Auto nicht selbst reparieren wollen, ist für Sie eine Erklärung der Versicherung gut, in der steht, daß sie die Reparatur unmittelbar mit der Versicherung abrechnen kann.



Schadenersatzansprüche: Was zahlt die Kfz-Haftpflichtversicherung?

Die Versicherung des Schädigers ersetzt den nachgewiesenen Schaden bis zu den im Versicherungsschein nachgewiesenen Deckungssummen. Die gesetzlich vorgeschriebenen Mindestsummen sind deutlich erhöht worden. Sie betragen bis 5 Millionen DM für einen Personenschaden mit einem Verletzten oder Getöteten, bei drei oder mehr Geschädigten sind es höchstens 15 Millionen DM, bei Sachschäden bis 1 Millionen DM und bei Vermögensschäden bis 100 000 DM.

Auch wer im Recht ist, muß oft zahlen

Wer in einem Bußgeldverfahren von der Schuld an einem Unfall freigesprochen worden ist, ist für den angerichteten Schaden möglicherweise trotzdem mitverantwortlich.

Bei Autounfällen haftet nämlich jeder Fahrer für den von ihm verursachten oder mitverursachten Schaden, wenn er nicht nachweisen kann, daß selbst der beste Fahrer der Welt den Unfall nicht hätte verhindern können. Wer also etwa auf einer Vorfahrtstraße nicht sofort bremst, wenn ein Auto aus der Nebenstraße kommt, erhält bei einem Unfall nur einen Teil seines Schadens ersetzt und muß dem Unfallgegner teilweise dessen Schaden ersetzen.

Gerichtsurteile regeln den Schadenersatz

Wieviel die versicherungen wann zahlen müssen, bestimmt vor allemn die Rechtsprechung. Lesen Sie hier eine Auswahl wichtiger Urteile, die für Ihre Schadenersatzansprüche maßgebend sind

Nutzungsausfall

Verzichten Sie auf einen Leihwagen, steht Ihnen Nutzungsausfall zu. Die Höhe bestimmt Ihr Autotyp, die Anspruchsdauer, die Reparaturzeit oder die Zeit zur Ersatzbeschaffung. In der Regel gestehen die Versicherungen bis 14 Tage zu. Wenn Sie einen Zweitwagen haben, gibt es allerdings keinen Nutzungsausfall.

Gut zu wissen Auch Familienmitgliedern steht Nutzungsausfall zu, wenn sie das Auto regelmäßig benutzt haben (BGH, NJW 74, 33).

Selbstreparatur

Wenn Sie Ihr Auto selbst reparieren, muß die Versicherung alle Reparaturkosten zahlen, die der Sachverständige geschätzt hat. (BGH, DAR 1989, 340). Dazu gehört bei einem Privatmann auch die Mehrwertsteuer (BGH VersR 1978, 235), die sonst ja nur Selbständigen zusteht. Vorstöße der Versicherungswirtschaft, bei Selbstreparatur Abzüge von der festgestellten Schadenssumme vorzunehmen, entbehren bisher jeder rechtlichen Grundlage. Ausnahme: bestimmte Einzelposten, die ausschließlich mit der Organisation der Werkstattreparatur zu tun haben, z.B. Transportkosten zwischen Karosseriewerkstatt und Lackiererei, dürfen die Versicherer streichen; ebenso ist es erlaubt, dass sie einen besonders hoch angesetzten Werkstatt-Stundensatz auf den Durchschnittspreis der jeweiligen Automarke kürzen.

Werkstattreparatur

Bevor Sie Ihr Fahrzeug in Reparatur geben, müssen Sie sich die Zustimmung der Versicherung einholen. Die Werkstatt dürfen Sie frei wählen, auch wenn Sie teurer ist als andere. Das ist kein Verstoß gegen die Schadenminderungspflicht. Der Preis muß allerdings noch angemessen sein (LG Hamburg, VersR 1971, 260).

Reklamieren Sie berechtigt die Reparatur, muß die Versicherung auch die daraus für Sie entstehenden Kosten tragen (KG Berlin NJW 1971, 142).

Mietwagen

Bei einem Haftpflichtschaden haben Sie Anspruch auf einen gleichartigen Mietwagen. Beachten Sie aber Ihre Pflicht zur Schadenminderung. Wenn Sie nicht auf einem Teil der Mietwagenkosten sitzen bleiben wollen, sollten Sie z.B. auf einen Mietwagen verzichten, wenn Sie täglich nur 20 km bis 30 km fahren. Dann kommt ein Taxi günstiger. Und wählen Sie aus zwei, drei Angeboten das günstigste aus.

Gut zu wissen Sie können sich auch den Wagen Ihres Ehegatten oder von Freunden oder Bekannten auf Kosten der Versicherung ausleihen (BGH, NJW 1975, 255).

Ersatzauto

Ist Ihr Auto nach dem Unfall Schrott, haben Sie Anspruch auf gleichwertigen Ersatz, nicht aber auf den gleichen Typ (OLG Oldenburg, DAR 1969, 185).

Gut zu wissen Der sogenannte Wiederbeschaffungswert ist nicht der Wert, den Sie beim Verkauf des Autos vor dem Unfall erhalten hätten, sondern der Preis, den Sie für einen annähernd gleichwertigen Wagen bei einem guten Gebrauchtwagenhändler zahlen müssen (OLG Berlin, VersR 1975, 193).

Sie müssen sich nicht gleich für das erste, scheinbar gleichwertige Auto entscheiden. Für den Kauf eines Ersatzwagens haben Sie bis 3 Wochen Zeit (OLG Hamm, NJW 64, 406). Sind Sie nicht selbst sachkundig, dürfen Sie sich beim Kauf auf Kosten der Versicherung von einem Sachverständigen beraten lassen (OLG Nürnberg, VersR 1978, 578).

Sachverständiger

Lassen Sie als Geschädigter Autoschäden über 3000 DM immer von einem unabhängigen Sachverständigen feststellen, die Kosten dafür übernimmt die Versicherung des Schädigers. Schätzt der Sachverständige falsch, müssen Sie dafür nicht haften (OLG Celle, VersR 1962,187).

Bei kleinen Sachschäden muß die Haftpflichtversicherung die Kosten für den Sachverständigen nicht übernehmen. Ausnahme: Sie reparieren den Wagen selbst. In diesem Fall können Sie der Versicherung auch bei Bagatellschäden die Kosten für den Sachverständigen in Rechnung stellen (AG Schwäbisch-Gmünd, ZfS 1981, 39)

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